Yuriy_Yurchuk

Manon-Premiere Oper Zürich 7.4.2019: Man hat schon Schlimmeres gesehen

Manon Zurich

Text Mordechai Aranowicz

 

Die Premiere von Jules Massenets Oper Manon am Opernhaus Zürich geriet zu einer etwas zwiespältigen Angelegenheit, bei der der Funke nicht so recht überspringen wollte. Das lag zum einen sicherlich am Dirigat von Marco Armiliato, der Massenets Musik wenig französisch, weitgehend spannungsarm, sowie farb- und leidenschaftslos abspulte. Im Mittelpunkt der Aufführung stand dagegen Piotr Beczala als des Grieux, dessen Auftritte an seinem einstigen Züricher Stammhaus selten geworden sind.

Beczala, der die Rolle 2011 bereits an der Met an der Seite von Anna Netrebko gesungen hatte, überzeugte rundum mit seinem in allen Lagen perfekt geführtem Tenor und charmantem Spiel, besonders in der Kirchenszene des dritten Aktes. Er versuchte, dem insgesamt sehr trägen Bühnengeschehen etwas Leben einzuhauchen. Dass Beczala dem des Grieux stimmlich  eigentlich bereits entwachsen ist, war bei einem Sänger, der demnächst den Radames in sein Repertoire aufnehmen wird, nicht anders zu erwarten.

Elsa Dreisig brauchte in der Titelrolle einige Zeit um stimmlich warm zu werden, überzeugte dann allerdings im Cours de la Reine-Bild mit glockenhellen Koloraturen, Darstellerisch blieb die Sängerin allerdings leider über weite Strecken blass.

Blass und stimmlich wenig präsent waren auch Yuriy Yurchuk als Lescaut, Eric Huchet als Guillot de Morfontaine und Alastair Miles als Comte des Grieux. Letzterer sang seinen Part  mit den Resten, seines einst so imposanten Basses.  Die übrigen Rollen waren insgesamt solide bis sehr gut besetzt.

Das am Premierenabend so wenig Stimmung aufkam lag auch an der Inszenierung von Floris Visser. Anders als bei zahlreichen Neuinszenierungen tat Visser dem Werk keine Gewalt an und überliess der Musik den Vorrang. Warum man jedoch, das Werk aus dem 18. Jahundert in die Enstehungszeit der Oper verlegen musste blieb unklar und erschien insgesamt ein eher willkürlicher Einfall, der nichts zum tieferen Verständnis der Oper beitrug.

Manon Zurich 1

Das Bühnenbild von Dieuweke van Reij war insgesamt funktional und machte es Dank Deckelung den Sängern akustisch einfach. Leider blieb dieser Rahmen jedoch insgesamt ziemlich stimmungslos, wozu auch die eintönige Lichtregie von Alex Brook verantwortlich war. Die auch von der Bühnenbildnerin entworfenen Kostüme waren zwar ästhetisch, grenzten die einzelnen Charaktere aber untereinander zu wenig ab, sodass gerade die Nebenrollen in den Massenszenen teilweise untergingen und man in diesen Momenten die Sänger in der Masse kaum wahrnahm. Hier wäre eine geschicktere Personenregie von Chor und Statisten wünschenswert gewesen.

Am Ende gab es für alle Beteiligten freundlichen Applaus, der nur für Elsa Dreisig und Piotr Beczala deutlich zunahm, beim Erscheinen des Regieteams dagegen deutlich abnahm. Buhrufe gab es jedoch keine.

Fazit: Diese Inszenierung ist zwar kein Ärgernis, aber auch nicht wirklich gut. Immerhin erhalten die Sänger der Hauptrollen genug Freiraum ihre Rollen zu gestalten, wobei sich das ganze Ensemble noch einspielen muss.

Trailer:

https://www.facebook.com/opernhauszuerich/videos/1773444599422066/

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